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ERS 2019

Chronischer Husten: ERS-Leitlinie beruht auf dünner Evidenz

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Jatros Digital
04. Oktober 2019
Bericht:
Reno Barth

<p class="article-intro">Eine neue Leitlinie der ERS zum Management des chronischen Hustens erkennt diesen als eigenständiges Krankheitsbild mit gut definierter und von anderen Erkrankungen unterscheidbarer Pathophysiologie an. Die Empfehlungen beruhen allerdings weitgehend auf schwacher Evidenz. Zu zahlreichen Fragen fehlen qualitativ hochwertige Studien.</p> <hr /> <p class="article-content"><p>Drei Jahre Arbeit liegen hinter der Task Force, die die neue und k&uuml;rzlich publizierte ERS-Leitlinie zum Management des chronischen Hustens erstellte. Die Evidenzbasis ist d&uuml;nn, sodass die meisten Empfehlungen den Disclaimer &bdquo;conditional recommendation, very low quality evidence&ldquo; tragen. Um die Lesbarkeit und Anwendbarkeit des Dokuments zu erhalten, wurde der Leitlinie eine zus&auml;tzliche &bdquo;narrative Komponente&ldquo; verliehen, so Prof. Dr. Alyn Hugh Morice von der Hull University.</p> <p>Chronischer, refrakt&auml;rer Husten hat nach aktuellem Verst&auml;ndnis in den allermeisten F&auml;llen seine Ursache in einer Hypersensitivit&auml;t des Nervus vagus gegen&uuml;ber unterschiedlichen Stimuli. Damit ist chronischer, refrakt&auml;rer Husten eine eigenst&auml;ndige Diagnose und Erkrankung, die sich in unterschiedlichen Ph&auml;notypen manifestieren kann. Betroffen sind mehrheitlich Frauen im mittleren Lebensalter. Adipositas und Reizdarmsyndrom sind h&auml;ufig mit chronischem, refrakt&auml;rem Husten assoziiert. Husten ist nicht zwingend das Symptom einer anderen Erkrankung. Die Folgen k&ouml;nnen schwerwiegend sein, mit sozialer Belastung, Inkontinenz und fallweise sogar Synkopen.</p> <p>Im Rahmen der Erstellung der neuen Leitlinie stellte die Task Force eine Reihe von Fragen und sie versuchte, diese so gut wie m&ouml;glich zu beantworten.</p> <p>Frage 1 hatte die Notwendigkeit eines Thorax-CT zum Thema. Hier empfiehlt die Leitlinie auf Basis schwacher Evidenz, dass ein CT-Scan nicht routinem&auml;&szlig;ig durchgef&uuml;hrt werden soll, wenn Thoraxr&ouml;ntgen und klinische Untersuchung unauff&auml;llig sind.</p> <p>Frage 2 bezieht sich auf die Pr&auml;diktion eines Ansprechens auf Kortikosteroide und Leukotrien-Antagonisten durch Bestimmung von FeNO und Eosinophilen im Blut. Hier weist die Leitlinie auf das v&ouml;llige Fehlen von kontrollierten Studien hin, weshalb keine Empfehlung gegeben werden kann. Stattdessen kann ein Therapieversuch mit oralen oder inhalativen Steroiden unternommen werden.</p> <p>Frage 3 bezieht sich auf die Sinnhaftigkeit des Einsatzes von Asthmamedikamenten (Bronchodilatatoren oder antiinflammatorische Substanzen) bei Patienten mit chronischem Husten. Diese Frage wird mit der Empfehlung f&uuml;r einen kurzen Therapieversuch mit einem ICS beantwortet.</p> <p>Nicht empfohlen wird hingegen (Antwort auf Frage 4) der routinem&auml;&szlig;ige Einsatz von Substanzen zur Erh&ouml;hung des pH-Werts im Magen (PPI und H2-Antagonisten). Auch hier ist die Evidenz allerdings d&uuml;rftig.</p> <p>Auch Makrolide werden nicht routinem&auml;&szlig;ig zur Behandlung des chronischen Hustens empfohlen. Bei chronischem Husten in Zusammenhang mit Bronchitis kann bei Nichtansprechen auf andere Therapien ein Therapieversuch &uuml;ber einen Monat unternommen werden, wobei die lokalen Empfehlungen im Hinblick auf das antimikrobielle Stewardship beachtet werden m&uuml;ssen.</p> <p>Frage 6 dreht sich um den Einsatz von neuromodulatorischen Substanzen beim chronischen Husten. Hier empfiehlt die Leitlinie einen Therapieversuch mit niedrig dosiertem Morphin in Retard-Formulierung oder einen Therapieversuch mit Gabapentin oder Pregabalin.</p> <p>Auch nicht pharmakologische Ma&szlig;nahmen im Sinne einer Hustenkontrolltherapie werden als Therapieversuch empfohlen (Frage 7).</p> <p>Als Antwort auf Frage 8 empfiehlt die Leitlinie schlie&szlig;lich bei Kindern mit chronischem, produktivem Husten einen Therapieversuch mit Antibiotika, wenn Thoraxr&ouml;ntgen und Spirometrie unauff&auml;llig und keine Warnzeichen vorhanden sind.</p> <p>Die aktuellen ERS Guidelines zur Diagnose und Behandlung des chronischen Hustens bei Erwachsenen und Kindern wurden zeitgleich mit dem Kongress online im European Respiratory Journal publiziert.<sup>1</sup></p></p> <p class="article-quelle">Quelle: „New clinical practice guidelines for chronic cough“, Guidelines Session im Rahmen des ERS 2019 am 1. Oktober 2019 in Madrid </p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <ol> <li><span lang="EN-US">Morice AH et al.: ERS guidelines on the diagnosis and treatment of chronic cough in adults and children. Eur Respir J 2019. Doi: 10.1183/13993003.01136-2019</span></li> </ol> </div> </p>
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