
Die Don’ts in Social Media
Bericht:
Martha-Luise Storre
Angesichts eines deutlichen Anstiegs der Nutzung sozialer Medien durch Ärzt:innen und Patient:innen stellt sich die Frage, wie sich ein professioneller und integerer Umgang mit Social Media gestalten lässt. Welchen Fallstricken können Dermatolog:innen begegnen, die soziale Netzwerke für berufliche Zwecke nutzen?
Keypoints
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Die Nutzung sozialer Medien durch Ärzt:innen und Patient:innen nimmt deutlich zu.
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Neben den Möglichkeiten der Vernetzung ist dies auch mit Risiken verbunden.
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Die Wahrung von Professionalität und Datenschutz ist bei der beruflichen Nutzung sozialer Medien essenziell.
Der Einfluss von Social Media auf die moderne Dermatologie wächst: 50–60% der Patient:innen suchen nach gesundheitsbezogenen Informationen über Hautkrankheiten, deren Behandlungen sowie über Dermatolog:innen. 21% finden ihre Dermatologin bzw. ihren Dermatologen ausschließlich über soziale Medien. Und 70–80% der dermatologisch tätigen Ärzt:innen sind in den sozialen Medien aktiv.1 Im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung widmete die EADV dem Thema „Social Media in der Dermatologie“ ein eigenständiges Symposium.
Soziale Medien wie Instagram, TikTok oder X bieten neben der Vernetzung auch Möglichkeiten zur Patient:innenbindung und -edukation, erläuterte Dr. Ornella Sacré, Dermatologin an der Vrije Universiteit Brüssel/Belgien. Darüber hinaus können Updates zur dermatologischen Forschung geteilt und Empfehlungen eingeholt werden. Seit zwei Jahren ist Sacré mit einem eigenen Instagram- sowie TikTok-Kanal aktiv. „Ich habe entdeckt, wie schön soziale Medien für unseren Beruf sein können“, berichtete die Dermatologin. Neben evidenzbasierten Hautpflegetipps teilt sie mit ihren Followern Informationen zu gängigen Hautproblemen und spricht auch über die Herausforderungen auf ihrem beruflichen Weg.
Es sei jedoch wichtig, zu berücksichtigen, dass die Nutzung von Social Media auch mit Risiken verbunden ist. Fake News sind nicht nur in der Politik ein Thema: So werden über die Netzwerke oftmals nicht verifizierte und irreführende Gesundheitsinformationen verbreitet, damit können Entscheidungen und Erwartungen von Patient:innen beeinflusst werden. Auch der Datenschutz ist ein hochrelevanter Punkt: Stellt man als Dermatolog:in Inhalte online, gilt es selbstverständlich, die Privatsphäre der Patient:innen bzw. die ärztliche Schweigepflicht zu wahren, mahnte Sacré. Zu guter Letzt sollte man stets auf Professionalität Wert legen, sowohl um seinen Ruf zu wahren als auch rechtlich abgesichert zu sein.
Was es konkret zu vermeiden gilt
Es sollte keine personalisierte medizinische Beratung durch Kommentare oder Nachrichten erfolgen, aufgrund des Mangels an relevanten Daten, klinischer Untersuchung und Dokumentation. Stattdessen könne ein Hinweis auf teledermatologische Plattformen oder das Angebot einer Terminvereinbarung gegeben werden. Das komme laut der Expertin nicht nur den Patient:innen zugute, sondern auch der eigenen Work-Life-Balance.
Zudem sei es wichtig, stets eine professionelle Distanz zu bewahren: „Verbergen Sie private Konten und vermeiden Sie es, sich in Online-Konflikte einzumischen oder Dampf abzulassen“, empfahl Sacré.
Wer Social-Media-Kanäle betreibt, sollte diese regelmäßig nutzen und befüllen. Eine strategische Content-Planung mit einem entsprechenden Zeitplan steigert die Sichtbarkeit und die Follower-Zahlen.
Ein vermehrt zu beobachtendes Problem sei, dass unqualifizierte Influencer ungeprüfte Trends oder Behandlungen ohne evidenzbasierte Unterstützung verbreiten. Man solle sich darauf beschränken, ausschließlich Informationen weiterzugeben, die durch wissenschaftliche Erkenntnisse und seriöse Quellen gestützt sind. Auch die Entlarvung von Haut(pflege)-Mythen sei hierbei wichtig.
Zu viel Eigenwerbung, beispielsweise auch für eigene Produktlinien, könne sich negativ auf den Ruf auswirken. Es empfiehlt sich, eine Balance aus werblichen und aufklärenden Posts zu schaffen und damit wertvollen Content zu produzieren, so Sacré. Dabei sind Objektivität und Transparenz das oberste Gebot. Zudem gelte es, auf jede Art von Feedback zu reagieren, auch auf negatives. „Bleiben Sie authentisch“, mahnte die Expertin. Dieser Punkt werde häufig unterschätzt.
Quelle:
Wissenschaftliches Symposium „Social media and dermatology“ im Rahmen des EADV Congress am 27. September 2024 in Amsterdam
Literatur:
1 Wotara MS: Use of social media for patient education in dermatology: Narrative review. JMIR Dermatol 2024; doi: 10.2196/42609
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