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Kreuzbandverletzungen beim Sport

<p class="article-intro">Die Verletzung des vorderen Kreuzbandes ist eine der häufigsten Verletzungen im Sport. Sie kann zu einer subjektiven und objektiven Instabilität des Kniegelenkes führen und damit auch die Leistungsfähigkeit deutlich beeinträchtigen. Die konservative Therapie beim Sportler und sportlich aktiven Patienten ist oft mit absehbaren Folgeschäden von Meniskus und Knorpel verbunden. Daher wird die Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes empfohlen. Beim Leistungssportler wird die frühzeitige Operation angestrebt, um eine schnellstmögliche Rückkehr zum Sport zu ermöglichen. Beim Hobbyund Freizeitsportler kann man ein Abklingen der Schwellung abwarten. Begleitverletzungen können die Operation zu jedem Zeitpunkt erforderlich machen. Operationstechnik, Transplantatwahl und Fixierung sind zusammen mit der Nachbehandlung entscheidend für den Erfolg. Die Rückkehr zum Sport wird nach 8–12 Monaten empfohlen. Davor sollte eine ausführliche klinische Untersuchung durchgeführt werden.</p> <hr /> <p class="article-content"><h2>Inzidenz</h2> <p>Die Verletzung des vorderen Kreuzbandes z&auml;hlt zu den h&auml;ufigsten Bandverletzungen im Sport (in den USA 0,5&ndash;1/1000 Einwohner). Die schweizerische Unfallstatistik, die etwa die H&auml;lfte der Schweizer Bev&ouml;lkerung ber&uuml;cksichtigt, spricht von etwa 6000 Kreuzbandverletzungen pro Jahr, sodass hier auf das Land bezogen 12 000 pro Jahr angenommen werden k&ouml;nnen. Aufgrund der &auml;hnlichen Bev&ouml;lkerungsstruktur kann man in &Ouml;sterreich von einer vergleichbaren Anzahl ausgehen, wobei exakte Zahlen fehlen.</p> <h2>Anatomie und Funktion des vorderen Kreuzbandes</h2> <p>Das vordere Kreuzband stellt zusammen mit dem hinteren Kreuzband den zentralen Pfeiler des Kniegelenkes dar. Sie sind damit die zentrale F&uuml;hrungsstruktur und bilden ein &uuml;berschlagenes Gelenksviereck. Dadurch ist der Roll- und Gleitmechanismus beim Beugen und Strecken des Kniegelenkes gegeben. Wenn dieser Mechanismus durch eine Kreuzbandruptur au&szlig;er Kraft gesetzt ist, kommt es zu einer vermehrten Druck- und Zugbelastung auf Meniskus und Knorpel. Eine Nichtber&uuml;cksichtigung bzw. Nichtbehandlung der Kreuzbandverletzung kann zu einer Sch&auml;digung von Meniskus und Knorpel f&uuml;hren.</p> <h2>Unfallmechanismus und geschlechtliche Unterschiede</h2> <p>Zu den Sportarten, die in &Ouml;sterreich am h&auml;ufigsten zur Kreuzbandverletzung f&uuml;hren, z&auml;hlen Skifahren und Fu&szlig;ball. Sportarten wie Basketball und Volleyball k&ouml;nnen ebenfalls zu Kreuzbandverletzungen f&uuml;hren. Valgisations-Rotationsmechanismen k&ouml;nnen ebenso wie abruptes Abstoppen, kombiniert mit Drehbewegungen und einer Landung nach dem Sprung, zum Kreuzbandriss f&uuml;hren. <br />Die Verletzung kann beim Kontakt mit dem Gegner im Zweikampf oder ohne Einfluss eines Gegenspielers durch ein Verdrehen beim Laufen entstehen oder, wie im Skisport, durch starke Beugung und Innenrotation des Kniegelenkes. <br />Es gibt auch geschlechtsspezifische Unterschiede, dabei sind gerade bei Ballsportarten Frauen deutlich h&auml;ufiger betroffen. Fu&szlig;ball- und Basketballspielerinnen haben eine 3&ndash;4-mal h&ouml;here Inzidenz einer Kreuzbandverletzung im Vergleich zu ihren m&auml;nnlichen Kollegen. Es gibt allerdings M&ouml;glichkeiten der Pr&auml;vention durch ein entsprechendes Aufw&auml;rmprogramm vor dem Spieleinsatz. Die Arbeitsgruppe von Engebretsen zeigte, dass dadurch bei weiblichen Handballspielerinnen die Inzidenz der Kreuzbandverletzung deutlich gesenkt werden konnte.</p> <h2>Diagnostik</h2> <p>Die Symptomatik ist charakterisiert durch ein akutes Ereignis, ein Verdrehen des Kniegelenkes oder ein akutes Schnappen, manchmal wird auch ein Riss oder ein akustisches Knacksen wahrgenommen. Dies ist nicht immer zwingend mit gro&szlig;en Schmerzen oder einem Bluterguss verbunden, da subsynoviale Rupturen ohne gr&ouml;&szlig;eren Bluterguss einhergehen k&ouml;nnen. <br />Die akute Kreuzbandverletzung l&auml;sst sich klinisch gut diagnostizieren. Dabei wird bereits am Unfallort (Spielfeld, Skipiste) der Lachmantest in 20&ndash;30&deg; Grad Beugung durchgef&uuml;hrt. Wichtig ist es, den Test m&ouml;glichst schmerzfrei durchzuf&uuml;hren. Damit l&auml;sst sich auch in der Akutphase eine Kreuzbandruptur diagnostizieren. H&auml;ufig liegt beim Eintreffen in der Klinik bereits eine schmerzbedingte Spannung vor und es wird eine Abwehrhaltung aufgebaut, sodass f&uuml;r den weniger routinierten Untersucher erschwerte Bedingungen vorliegen und Kreuzbandverletzungen prim&auml;r &uuml;bersehen werden k&ouml;nnen. <br />Ein weiterer klinischer Test ist der vordere Schubladentest, welcher in 90&deg; Beugestellung des Kniegelenkes durchgef&uuml;hrt wird. Zu beachten ist, dass eine vordere Schublade erst als solche best&auml;tigt werden kann, wenn eine hintere Schublade, also eine Lockerung des hinteren Kreuzbandes, ausgeschlossen ist. Auch hier ist es wichtig, dass der Patient entspannt ist. Alle Tests m&uuml;ssen im Seitenvergleich durchgef&uuml;hrt werden.<br />Der Pivot-Shift-Test stellt eine dynamische Testung dar, bei der es aufgrund des gest&ouml;rten Rollgleitverhaltens bei Valgisation und nach innen gedrehtem Knie bei der Bewegung zwischen 0 und 30&deg; zu einer spontanen Subluxation der Tibia kommt, die bei Reposition ein Schnappen verursacht. Dieser Test ist jedoch schmerzbedingt oft nur schwer durchzuf&uuml;hren. Begleitverletzungen der Seitenb&auml;nder, der Kapsel, des anterolateralen Ligaments und der Menisken m&uuml;ssen ebenfalls abgekl&auml;rt werden. <br />Eine R&ouml;ntgen-Untersuchung wird empfohlen und soll kn&ouml;cherne Ausrissverletzungen und Knochenbr&uuml;che ausschlie&szlig;en. Spezialaufnahmen k&ouml;nnen Achsenverh&auml;ltnisse und Lockerungen dokumentieren. Die Magnetresonanztomografie stellt eine wertvolle Hilfsuntersuchung dar, deren Sensibilit&auml;t und Spezifit&auml;t allerdings &uuml;berbewertet sind. Je nach Untersucher, Feldst&auml;rke des Ger&auml;tes, Wahl der Schichten und Interpretation lassen sich deutlich unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Diesbez&uuml;glich ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt auch gute F&auml;higkeiten im Interpretieren der MR-Bilder mitbringt.</p> <h2>Operationszeitpunkt</h2> <p>Ein Abklingen der akuten Reizerscheinungen kann abgewartet werden, da der blutige Gelenkserguss in der Akutphase die Operation erschwert und eine bessere pr&auml;operative Beweglichkeit die Nachbehandlung erleichtert. Je nach Ausma&szlig; des Reizzustandes im Kniegelenk m&uuml;ssen nicht zwingend 6 Wochen bis zur Operation abgewartet werden, da in Abh&auml;ngigkeit von der Beweglichkeit auch ein fr&uuml;herer Zeitpunkt m&ouml;glich ist. Begleitverletzungen k&ouml;nnen eine fr&uuml;here Operation erforderlich machen. Beim Leistungssportler ist eine fr&uuml;hzeitige Versorgung anzustreben. <br />Grunds&auml;tzlich gilt es, die Stabilit&auml;t des Kniegelenkes wiederherzustellen und Begleitverletzungen von Meniskus, Seitenb&auml;ndern und Knorpel zu versorgen. Bei sportlich aktiven Patienten in Pivot-Sportarten wie Fu&szlig;ball, Handball etc. ist die Indikation zum Ersatz des vorderen Kreuzbandes gro&szlig;z&uuml;gig zu stellen. Auch bei weniger sportlichen Patienten mit anhaltender Instabilit&auml;t und entsprechenden beruflichen Anforderungen ist die Indikation zum Kreuzbandersatz gegeben (s. Konsensuspapier des Arbeitskreises Knie 2014). Vor allem bei Patienten, bei denen eine Ausbelastung des Kniegelenks zu erwarten ist, muss die Compliance ber&uuml;cksichtigt werden. Hier sollte nicht das Eintreten einer Meniskusverletzung abgewartet, sondern ebenfalls eine Rekonstruktion angeboten werden. Grunds&auml;tzlich sollte die Indikation zur Operation umso eher gestellt werden, je aktiver ein Patient ist (s. Konsensuspapier des Arbeitskreises Knie 2014).</p> <h2>Operationstechnik</h2> <p>Der Ersatz des vorderen Kreuzbandes erfolgt mit k&ouml;rpereigenen Sehnen, die je nach Operateur auch individuell angepasst werden. Grunds&auml;tzlich stehen die Semitendinosus-Gracilis- Sehnen, die Patellasehne und die Quadrizepssehne zur Verf&uuml;gung. Allografts sollten beim prim&auml;ren Kreuzbandersatz aufgrund der h&ouml;heren Rerupturrate und auch der h&ouml;heren Kosten nur in speziellen F&auml;llen verwendet werden. Kunststoffb&auml;nder haben sich f&uuml;r den prim&auml;ren isolierten Einsatz des vorderen Kreuzbandes nicht bew&auml;hrt. Auch die Kreuzbandnaht wurde vor 30 Jahren aufgegeben, da die Ergebnisse nicht zufriedenstellend waren und eine zum Teil deutliche Instabilit&auml;t verblieb. Nun zeigen Studien der augmentierten Kreuzbanderhaltung gute Ergebnisse, sodass hier eine neue Behandlungsoption besteht. Allerdings liegen noch keine langfristigen Ergebnisse vor. Die Fixierung hat ebenfalls Einfluss auf die Stabilit&auml;t. Hier stehen Button-Systeme und Schrauben zur Verf&uuml;gung.</p> <h2>Nachbehandlung</h2> <p>Die Nachbehandlung wird vom Autor beim isolierten Kreuzbandersatz folgenderma&szlig;en durchgef&uuml;hrt: Wenn m&ouml;glich Beginn der Physiotherapie bereits vor der Operation. Diese soll ab dem ersten postoperativen Tag weitergef&uuml;hrt werden. Teilbelastung unter Verwendung von St&uuml;tzkr&uuml;cken f&uuml;r 3 Wochen, anschlie&szlig;end Ergometertraining und weiterhin Physiotherapie. Lauftraining wird fr&uuml;hestens 3 Monate postoperativ empfohlen, nachdem der Muskel einen guten Umfang und Tonus aufweist und eine ausreichende Koordination besteht. <br />In den letzten Jahren hat die &bdquo;Returnto- sports&ldquo;-Testung an Bedeutung gewonnen. Sie hat einen gro&szlig;en Wert f&uuml;r die sichere R&uuml;ckkehr zum Sport und ist in der Lage, Defizite aufzuzeigen.</p> <h2>Zusammenfassung</h2> <p>Das vordere Kreuzband stellt einen entscheidenden Faktor f&uuml;r die Kinematik und das korrekte Gleitverhalten des Kniegelenkes dar. Ohne operative Versorgung einer Kreuzbandverletzung kommt es zu einer bleibenden Instabilit&auml;t und somit auch h&auml;ufiger zur sekund&auml;ren Verletzung der Meniskus- und Knorpelstrukturen. <br />Bei der Versorgung ist darauf zu achten, dass Begleitverletzungen korrekt behandelt werden. Bei der Indikationsstellung zur Operation m&uuml;ssen der Grad der Instabilit&auml;t, der sportliche Aktivit&auml;tslevel und auch das Alter, insbesondere das biologische Alter, ber&uuml;cksichtigt werden. Am Beginn aller diagnostischen Ma&szlig;nahmen sollten eine genaue Anamnese und eine exakte klinische Untersuchung stehen. MR- und R&ouml;ntgenuntersuchungen sind erforderlich und eine gehaltene Aufnahme kann zus&auml;tzlich durchgef&uuml;hrt werden. Die Operation erfolgt in der Regel nach Abklingen der Entz&uuml;ndungszeichen oder vor Auftreten derselben. Begleitverletzungen k&ouml;nnen eine fr&uuml;hzeitige Operation erforderlich machen. Grunds&auml;tzlich kann nach Abklingen der Entz&uuml;ndungszeichen operiert werden. <br />Bei der Versorgung stehen als Transplantate die Semitendinosus-Gracilis-Sehnen, Patellasehne und Quadrizepssehne zur Verf&uuml;gung. Allografts haben eine h&ouml;here Rerupturrate und Zusatzkosten. Kunststoffb&auml;nder sind f&uuml;r einen prim&auml;ren Kreuzbandersatz nicht geeignet. Die Einkanaltechnik in der anatomischen Position hat sich durchgesetzt. <br />Bei der Nachbehandlung sollte die Einheilung des Kreuzbandes abgewartet werden. Ergometertraining ist &uuml;blicherweise ab 3 Wochen postoperativ sinnvoll, Lauftraining erst nach Erreichen des vollen Muskelumfangs und der koordinativen F&auml;higkeiten. Eine R&uuml;ckkehr zum Sport sollte genau ausgetestet werden und ist nach 8&ndash;12 Monaten anzunehmen. Bei korrekter Diagnosestellung, Behandlung und Nachbehandlung kann der Sport auf demselben Leistungsniveau wie vor der Verletzung ausgef&uuml;hrt werden.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Ortho_1906_Weblinks_jatros_ortho_1906_s23_abb1_janousek.jpg" alt="" width="450" height="323" /></p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Ortho_1906_Weblinks_jatros_ortho_1906_s23_abb2_janousek.jpg" alt="" width="450" height="329" /></p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Ortho_1906_Weblinks_jatros_ortho_1906_s23_abb3_janousek.jpg" alt="" width="450" height="350" /></p></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p>beim Verfasser</p> </div> </p>
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